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Der Familienname und seine Schreibweisen: Waldeijer, Waldeyer und Waldeier

Am Titel des unten zitierten Buches ist zu sehen, dass der Autor die Adjektive¹ niederdeutsch und holländisch synonym verwendet.

Zitat aus KRAMERS (1761):

„Die holländischen Grammatici gebrauchen in Schreibung etlicher Wörter das y, und in etlichen andern das ij, und geben gleichwohl in ihren Büchern hierüber keine Regeln, nach welchen einer,  zumal ein Ausländer sich dißfalls zu richten hätte, da doch (wie oben pag. 3 zu sehen) die eine nicht allerdings lautet wie die andere. Ja, man findet, daß auch die allerbewehtesten neuern holländischen Scribenten hierinnen keine Gleichförmigkeit halten; sondern oft, in einerley Worten, der eine das y, der andere ein ij, der dritte auch wohl an statt ij, das i allein brauchet: Nun, was ich unter Lesung sehr guter holländischer Schriftsteller bisher angemerket habe ist folgendes:“²

Aufgekommene Fragestellungen beim Schreiben dieses Beitrags:
Wissenschaftliche Fragestellung 1: Ist also eine Grenzziehung, wie sie heute zwischen Norddeutschland und Holland gebräuchlich ist, aus sprachkultureller Sicht statthaft?

Wissenschaftliche Fragestellung 2: Ist der Familienname heute nicht besser mit ij zu schreiben, um seine niederdeutschen Wurzeln besser kenntlich zu machen?

Wissenschaftliche Fragestellung 3: Muss man den Begriff „Germanisierung“ nicht enger fassen, und von einer hochdeuschten Germanisierung in Norddeutschland sprechen, die zur Zeit in der jetztigen berufstätigen und nachwachsenden Generation ihren Abschluss findet?
Bsp.: Meine Großeltern konnten noch fließend Plattdeutsch sprechen, meine Eltern können es noch verstehen und nur noch Rudimente sind in meiner Generation vorhanden.

Erklärungen¹:
– Adjektiv = Eigenschaftswort (Wie ist etwas?)
– synonym = bedeutungsgleich
– wissenschaftliche Fragestellung = dient der wissenschaftlichen Eingrenzung (im Unterschied zur Hypothese = griech. wörtlich ‘Unterstellung’)
– Rudimente = kleinste Überbleibsel

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² KRAMERS, Matthias (1761): Vollkommene niederdeutsche oder holländische Grammatik, für diejenigen hochdeutschen Staats- Handels- und Kriegsleute als auch andere welche diese Sprache in kurzer Zeit, mit leichter Mühe und ohne mündlichen Lehrmeister richtig lesen, verstehen, und reden, oder auch darinnen schreiben und sonst Briefe wechseln wollen.; S.106-107; Leipzig